Begriffe, Rituale, Symbole im Dojo – Nomikai (Trinkfeier)

In dieser Blog-Reihe möchte ich die Bedeutung und Verwendung verschiedener Begriffe, Rituale und Symbole der japanischen Kultur in einem traditionellen Kampfkunst-Dōjō erklären.

Nomikai (飲み会) – Trinkfeier

Nomu (飲む) bedeutet ‚Trinken‘ und Kai (会) heißt ‚Zusammenkunft‘. Nomikai sind Feiern vor allem unter Arbeitskollegen aber auch Freizeit-/Sport-Gruppen oder Freunden, bei denen unter anderem viel getrunken wird.

Oft wird dafür ein Raum in einer Izakaya (japanische Bar), bei großen Feiern in einem Hotel, reserviert, die Party kann aber auch in den eigenen Geschäftsräumen oder privat stattfinden. Die Teilnahme ist nicht verpflichtend, aber wird erwartet, da in der japanischen Gesellschaft der Gemeinschaftssinn eine wichtige Rolle spielt.

Neben einer Auswahl verschiedener Speisen spielen Bier und Sake (japanischer Reiswein) in der Form von Nomihōdai (飲み放題, ‚all-you-can-drink‘) eine große Rolle. Natürlich gibt es auch alkoholfreie Getränke und niemand wird zum Alkoholkonsum gezwungen. In der Regel zahlen alle Teilnehmer den gleichen Betrag, sofern die Feier nicht von der Firma gesponsort wird.

Der Zeitrahmen ist meist auf zwei bis drei Stunden festgelegt und der Ablauf folgt bestimmten Regeln. Zu Beginn wird eine Ansprache gehalten, gefolgt von einem Trinkspruch und „Kanpai“ (乾杯, „Prost“), womit die Party offiziell eröffnet ist. Der Rest läuft meistens sehr locker und informell ab. Beendet wird die Party mit einem letzten „Kanpai“ oder einem rituellen gemeinsamen Klatschen (1x oder 3x). Manchmal gehen kleinere Gruppen der Teilnehmer danach noch zum weiteren Feiern in eine oder mehrere andere Kneipen, Karaoke-Bars oder Nachtclubs, das nennt man Nijikai (二次会 „zweites Treffen“) oder Sanjikai (三次会 „drittes Treffen“).

Während der Party gibt es bestimmte Verhaltensregeln. Pünktliches Erscheinen (vor dem Chef/Vorgesetzten) ist obligatorisch. Getränke schenkt man sich nicht selbst, sondern gegenseitig ein. Dabei füllt der jüngere oder rangniedrigere dem älteren oder höhergestellten zuerst das Glas, die Frau zuerst dem Mann, und dann umgekehrt. Mit zunehmendem Alkoholkonsum werden die Teilnehmer enthemmter. Die sonst so strenge Etikette darf bewusst vernachlässigt werden, das nennt man Bureikō (無礼講). So wird manchmal über Details aus dem Privatleben erzählt, man kann dem Vorgesetzten gegenüber mal kritische Anmerkungen machen oder ausgefallene Vorschläge unterbreiten. Es kann auch zu Auseinandersetzungen unter Kollegen kommen. In der sonst so strengen japanischen Kultur wird das als wichtiges Mittel zum Ausgleich gesehen. Grundsätzlich gilt, am nächsten Tag ist alles vergessen und man geht zur Tagesordnung über.

Nomikai werden zu verschiedensten Anlässen organisiert, zum Beispiel Jubiläen, Projektabschlüssen, Verabschiedung von ausscheidenden oder Willkommensparty für neue Kollegen, (Sport-)veranstaltungen etc. Manche Firmen veranstalten fast jeden Monat Nomikai. In Kampfkunstdōjōs bieten Jubiläen, Prüfungen oder Lehrgänge einen entsprechenden Anlass. Zwei besondere sind Bōnenkai und Shinnenkai.

Bōnenkai (忘年会, „Zusammenkunft um das Jahr zu vergessen“) ist die traditionelle Party zum Jahresende und die wichtigste Gemeinschaftsveranstaltung des Jahres. Man trifft sich, um auf das gemeinsame vergangene Jahr zurückzublicken, aber auch um die Anstrengungen und Misserfolge zu vergessen und unvoreingenommen und mit frischer Energie das neue beginnen zu können.

Shinnenkai (新年会, „Neujahrszusammenkunft“) ist die Party zu Jahresanfang, um das neue Jahr zu begrüßen.

Bōnenkai und Shinnenkai gehören nicht zu den traditionellen im Shintō oder Buddhismus verwurzelten Feierlichkeiten und Ritualen zum Jahreswechsel. Dennoch werden sie manchmal mit diesen verknüpft. So auch in traditionellen Kampfkunstdōjōs, wo der Bōnenkai Party oft das rituelle Reinigen des Dōjōs Susuharai (煤払い , „den Staub vertreiben“) vorausgeht, oder ein Kagami Biraki (鏡開き, „den Spiegel öffnen“) Neujahrstraining/Lehrgang/Vorführung mit der Neujahrsfeier Shinnenkai abschließt.


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